Eine 24-Stunden-Betreuung mit einer entsandten Betreuungskraft kostet laut Verbraucherzentrale meist 2.800 bis 3.500 Euro im Monat, oft zuzüglich Agenturgebühr. Die Pflegekasse zahlt die Betreuung nicht direkt. Mit Pflegegeld und Steuerermäßigung sinkt der Eigenanteil aber spürbar, bei Pflegegrad 3 um rund 900 Euro im Monat.
Woraus sich der Preis zusammensetzt
| Kostenblock | Was dahintersteckt |
|---|---|
| Lohn der Betreuungskraft | mindestens der deutsche Mindestlohn, 13,90 € pro Stunde seit 1.1.2026, auch für Bereitschaftszeit |
| Sozialversicherung | bei Entsendung im Heimatland, nachgewiesen durch die A1-Bescheinigung |
| Marge des Entsendeunternehmens | Organisation, Vertretung, Ablösung |
| Vermittlungsgebühr | einmalig oder monatlich an die deutsche Agentur, je nach Vertrag |
| Kost und Logis | Zimmer und Verpflegung stellt der Haushalt |
| Reisekosten | An- und Abreise bei jedem Wechsel, je nach Vertrag |
Was den Preis nach oben treibt:
- bessere Deutschkenntnisse der Betreuungskraft
- höherer Betreuungsbedarf, etwa bei Demenz oder wenn nachts Hilfe nötig ist
- ein zweiter Pflegebedürftiger im Haushalt
- Führerschein und Bereitschaft, Auto zu fahren
Die Agenturen staffeln ihre Preise meist nach diesen Kriterien. Lassen Sie sich immer ein schriftliches Angebot mit Gesamtpreis geben, in dem steht, was enthalten ist.
Warum es nicht viel billiger gehen kann
Eine Rechnung zeigt, wo die Untergrenze liegt: Schon 40 Stunden pro Woche zum Mindestlohn ergeben rund 2.400 Euro Bruttolohn im Monat (13,90 € × 40 Stunden × 4,33 Wochen). Dazu kommen Sozialabgaben, Urlaub, Ablösung, Reise und die Kosten der Firmen.
Das Bundesarbeitsgericht hat 2021 entschieden, dass auch Bereitschaftszeit mit Mindestlohn bezahlt werden muss (BAG, 5 AZR 505/20). Wer eine Kraft „rund um die Uhr“ für 1.800 Euro anbietet, kann diese Vorgaben kaum einhalten. Dann wird an etwas gespart, und das Risiko tragen am Ende Sie: Bei fehlender Sozialversicherung drohen dem Haushalt Nachzahlungen und Geldstrafen (Verbraucherzentrale).
Welche Leistungen die Kosten senken
Pflegegeld
Das Pflegegeld dürfen Sie frei verwenden, also auch für die Betreuungskraft:
| Pflegegrad | Pflegegeld pro Monat |
|---|---|
| 2 | 347 € |
| 3 | 599 € |
| 4 | 800 € |
| 5 | 990 € |
Quelle: § 37 SGB XI. Voraussetzung ist ein Pflegegrad. Falls er noch fehlt: Pflegegrad beantragen.
Steuerermäßigung für haushaltsnahe Dienstleistungen
Kosten für Pflege und Betreuung im Haushalt senken direkt die Einkommensteuer: um 20 Prozent der Kosten, höchstens 4.000 Euro im Jahr (§ 35a Absatz 2 EStG). Den Höchstbetrag erreichen Sie schon bei 20.000 Euro Kosten im Jahr, also bei fast jeder 24-Stunden-Betreuung.
Wichtig: Sie brauchen eine Rechnung, und die Zahlung muss per Überweisung auf das Konto des Anbieters gehen. Bar bezahlte Beträge erkennt das Finanzamt nicht an (§ 35a Absatz 5 EStG).
Die Ermäßigung wird von der Einkommensteuer abgezogen. Sie hilft also nur, wenn auch Einkommensteuer anfällt. Bei kleinen Renten ist das oft nicht der Fall. Wer genau absetzen darf, wenn Angehörige die Rechnung bezahlen, klären Sie am besten mit einer Steuerberatung oder einem Lohnsteuerhilfeverein.
Weitere Leistungen, die passen können
- Verhinderungspflege: Sie bezahlt eine Ersatzpflege, wenn eine private Pflegeperson ausfällt. Als Dauerfinanzierung der Betreuungskraft ist sie nicht gedacht. Die Pflegekasse prüft den Einzelfall.
- Entlastungsbetrag: 131 Euro im Monat, aber nur für anerkannte Angebote zur Unterstützung im Alltag. Die meisten Vermittlungsagenturen sind das nicht. Fragen Sie nach.
- Pflegedienst über die Sachleistung: Kommt zusätzlich ein Pflegedienst für die medizinische Pflege, zahlt die Kasse ihn direkt. Das Pflegegeld sinkt dann anteilig.
Beispielrechnung: Pflegegrad 3
Annahmen: Angebot einer Agentur über 3.200 Euro im Monat, alles inklusive. Bezahlt wird per Überweisung, und es fällt genug Einkommensteuer an, um die volle Steuerermäßigung zu nutzen.
| Posten | pro Monat |
|---|---|
| Kosten Betreuung | 3.200,00 € |
| minus Pflegegeld (Pflegegrad 3) | − 599,00 € |
| minus Steuerermäßigung (4.000 € ÷ 12) | − 333,33 € |
| verbleibender Eigenanteil | 2.267,67 € |
Nicht eingerechnet sind Kost und Logis für die Betreuungskraft sowie die zusätzlichen Nebenkosten im Haushalt.
Wenn das Geld nicht reicht
Können die pflegebedürftige Person und ihr Ehepartner die Kosten nicht tragen, kann das Sozialamt mit Hilfe zur Pflege einspringen. Es prüft dann Einkommen und Vermögen.
Kinder müssen in der Regel nicht zahlen: Seit dem Angehörigen-Entlastungsgesetz von 2020 werden Kinder zum Unterhalt für ihre Eltern erst ab einem Jahresbruttoeinkommen von mehr als 100.000 Euro herangezogen (Bundesgesundheitsministerium). Das Sozialamt geht zunächst davon aus, dass die Grenze nicht überschritten ist.
So vergleichen Sie Angebote
- Gesamtpreis pro Monat schriftlich, mit allen Gebühren
- Was ist enthalten? Reisekosten, Vertretung bei Krankheit, Ablösung
- Kündigungsfrist und was bei vorzeitiger Beendigung kostet
- Modell und A1-Bescheinigung: Entsendung mit A1 oder Selbstständigkeit?
- Deutschkenntnisse und Qualifikation, wie sind sie geprüft?
Unsere Checkliste für seriöse Agenturen geht diese Punkte im Detail durch. Wie die Modelle rechtlich funktionieren, steht im Artikel Pflegekraft aus Polen und Osteuropa. Einen Überblick zur Organisation gibt der Ratgeber 24-Stunden-Pflege zu Hause.
Ausblick: Pflegereform 2027
Nach dem Regierungsentwurf soll das Pflegegeld 2027 als „Entlastungsbudget“ steigen, bei Pflegegrad 3 auf 630 Euro. Gleichzeitig soll die Verhinderungspflege als eigene Leistung entfallen. Für Familien mit 24-Stunden-Betreuung ändert sich am Eigenanteil dadurch wenig. Details im Artikel Pflegereform 2027.
Quellen
- Verbraucherzentrale: Ausländische Betreuungskräfte – wie geht das legal?, Betreuung im Entsendemodell, abgerufen am 26.10.2026
- § 37 SGB XI, § 35a EStG
- Bundesarbeitsgericht: Urteil vom 24.06.2021, 5 AZR 505/20
- Statistisches Bundesamt: Mindestlöhne
- Bundesgesundheitsministerium: Fragen und Antworten zum PNOG (Abschnitt Unterhaltsheranziehung)
Dieser Artikel ersetzt keine Steuer- oder Rechtsberatung.



